Verständnis und Akzeptanz schaffen
Kommunikation kann helfen, Offenheit zu erzeugen und Freude auf das Neue zu wecken. Besonders die Akzeptanzforschung und Erkenntnisse aus der Veränderungskommunikation (Change Communication) liefern wertvolle Hinweise darauf, wie aus der ersten Reaktion „Unsinn“ ein „okay, vielleicht“ werden kann – oder sogar ein: „Ja, das ist wirklich eine Verbesserung!"
Eine aktuelle Studie hat fünf Prinzipien gefunden, die Menschen dazu bewegen, Veränderungen mitzutragen und zu unterstützen:
Wirksamkeit (1) – Einfachheit (2) – Fairness (3) – persönlicher Nutzen (4) – Gemeinwohl (5)
Kommunikation kann diese fünf Prinzipien nutzen, um für Mobilitätsvorhaben zu gewinnen – zum Beispiel als roten Faden für eine Projektvorstellung im Gemeinderat oder für den Austausch mit der Presse:
- „Wirkt es nachweisbar?“ (1)
- „Ist es einfach nutzbar oder einfach umsetzbar?“ (2)
- „Ist es nachvollziehbar und ausgewogen auf alle Schultern verteilt?“ (3)
- „Bringt es einzelnen und der Öffentlichkeit messbaren Nutzen?“ (4 und 5)
Es lohnt sich, bei einem Verkehrsprojekt früh zu prüfen und mitzudenken, wie sich diese fünf Eigenschaften klar und verständlich erklären lassen. Denn so kann Kommunikation es stärkend flankieren. Das heißt aber auch umgekehrt, dass das Projekt in dieser Kommune tatsächlich akzeptanzfähig sein muss. Denn sonst lässt es sich auch durch ausgefeilte Kommunikation schwer retten. Die fünf Kriterien müssen nicht gleich stark berücksichtigt werden. Wichtig ist, dass möglichst alle beachtet werden.
Besonders überzeugend beim Prinzip „Wirksamkeit” ist es, zu zeigen, wie wirksam diese Maßnahme im Vergleich zu Alternativen ist: – dass sich der Einsatz für das Ziel also wirklich lohnt: zum Beispiel messbar mehr Sicherheit, weniger Unfälle, echte Zeitersparnis oder gute Luftwerte.
(Mehr über die Studie bei denWissens-Werkzeugen)
Lust auf Chancen machen
Verkehrsmaßnahmen haben neben dem Hauptziel oft sogenannte Co-Benefits, also gleich mehrere Vorteile. Beispielsweise erweitert eine Radschnellverbindung die Erreichbarkeit eines Ortes – zugleich schafft sie aber auch mehr Sicherheit und mehr Wahlfreiheit für viele am Ort, ihre Ziele im Alltag und in der Freizeit zu erreichen. Co-Benefits für andere Verkehrsmaßnahmen können sein: mehr Raum, Hitzeschutz, Gesundheitsförderung. Auch damit können wir Wirksamkeit und Nutzen kommunizieren.
Frühzeitig und angemessen informieren
Zusätzlich helfen Erkenntnisse aus der Veränderungskommunikation (Change Communication) dabei, ein gutes Mobilitätsvorhaben dialogorientiert und zum richtigen Zeitpunkt in die Öffentlichkeit zu tragen.
Ein Beispiel: In einer Gemeinde steht eine Umgestaltung des Bahnhofs an. Vertraute Wege, Blicke oder Routinen werden sich verändern. Bei Betroffenen entstehen Unruhe und Unsicherheit. Was Kommunikation hier leisten kann:
- Frühzeitig, angemessen transparent und verständlich informieren – und damit Sicherheit, Orientierung und Vertrauen schaffen.
- Kontakt halten, auf Rückmeldungen reagieren und Nachbesserungen bekannt geben – zeigen, dass man ernsthaft gemeinsam auf dem Weg zur funktionierenden Lösung ist. Dazu kann auch gehören: dem Einzelhandel mit einem Stadtfest oder Aktionen durch die Phase des Umbaus helfen (Ideen beiBeispielen und Musterlösungen); Bauabschnitte mit Betroffenen abstimmen; gemeinsam die Baustelle besichtigen.
- Von Ergebnissen, Erfahrungen und Erfolgen erzählen – um das Neue langsam zur Normalität werden zu lassen.
Es gibt etwas, das so wichtig ist, dass es kaum zu überschätzen ist: Menschen müssen sich gesehen und gehört fühlen, um offen für Entwicklungen zu sein. Unterschiedliche Alltagsrealitäten verdienen Anerkennung. Schuldzuweisung, Moral, Beschämung oder Richtig-Falsch-Kommunikation bringen uns selten zum Kommunikationsziel.
Wirksamer ist es, gemeinsame Werte, Ziele und schon Erreichtes zu betonen und Beteiligung, Mitgestaltung und Mitsprache im möglichen Rahmen anzubieten.