Kapitel 3

Sprich klar und verständlich

Eine klare und verständliche Sprache hilft Menschen, Informationen schnell zu erfassen und richtig einzuordnen – und sich dafür zu interessieren! Wenn wir wenige einfache Regeln befolgen, kann das viel bewirken.

Was mag das bedeuten: „Das Überwerfungsbauwerk wird zur Wiederherstellung der verkehrlichen und baulichen Leistungsfähigkeit instandgesetzt.”

Hinter komplizierten Formulierungen steckt oft ein einfacher Gedanke. Der Satz oben bedeutet nur: „Die Brücke wird saniert."

Im großen Themenfeld „Verkehr” finden sich jede Menge abstrakte und technische Fachbegriffe, aber auch unvertraute und seltene Wörter, die man aus dem Alltag nicht kennt. Zum Beispiel Verkehrsarten, Lichtsignalanlage, Querungsbereich, Quell- und Zielverkehr, Erschließungswirkung oder Leistungsfähigkeitsnachweis.

Begriffe und Wörter wie diese machen es Menschen schwer, Informationen zu verarbeiten. Es wird mühevoll, den Sinn eines Satzes zu erfassen. 

Dem kann gute Kommunikation entgegenwirken. 

Unverständlichkeit erzeugt Misstrauen

Wenn Menschen sich Informationen mühsam erschließen müssen, sinkt nicht nur das Verständnis, sondern auch die Zustimmung zu den Inhalten. 

Skepsis entsteht oder sogar Angst vor der Verkehrsmaßnahme, weil die Begriffe sich so fremd anfühlen. Es entsteht nun ein Gefühl von Risiko – und das völlig unnötig. (Hintergründe dazu bei denWissens-Werkzeugen)

Aus der sprachlichen Hürde wird schnell eine innere Distanz:
„Da passiert etwas über meinen Kopf hinweg.“
„Das ist mir zu anstrengend.“
„Das klingt bedrohlich."
Diese Wahrnehmung kann ausreichen, um die Motivation für Ihr Mobilitätsthema zu schwächen.

Verständlichkeit ermöglicht Zustimmung

Es mag ungewöhnlich klingen, aber: Texte und Wörter sind ein Beziehungsangebot. Wie wir sprechen und schreiben, zeigt unserem Gegenüber, was wir von ihm halten und wie wir zueinander stehen – und unser Gegenüber wird unwillkürlich interpretieren, wie wir uns ausdrücken.

Wer sich verständlich ausdrückt, zeigt: „Ich möchte, dass Sie mich verstehen. Ich will mit Ihnen auf Augenhöhe kommunizieren und gemeinsam zu einer Lösung kommen.“

Unverständliche und komplizierte Fachsprache kann schnell so gedeutet werden: „Die Person will mich einschüchtern. Sie will zeigen, dass sie mehr Macht hat. Ob ich sie verstehe, ist ihr egal. Also bin ich ihr egal. Dann ist mir auch egal, was sie von mir will."

Außerdem klingt ein komplizierter Sprachstil oft wichtig, sagt aber wenig. Der Haken ist, dass es Fachleuten oft viel leichter fällt, „schwierig” zu schreiben. Fachbegriffe zu vermeiden, ist eine bewusste Entscheidung für eine Übersetzungsarbeit.

Eine gute Übung ist es, sich vorzustellen, das eigene Fachthema zum Beispiel einer unbeteiligten Nachbarin oder einem dreizehnjährigen Teenager zu erklären. So, dass er oder sie es leicht verstehen könnte! 

Es lohnt sich: Die richtige Sprache zu wählen ist eine große Chance für Lösungen, Verbundenheit und Kooperationslust. 

Den Deutungsrahmen („Frame“) bewusst setzen

Zur Sprache gehört zudem das Framing: Begriffe erzeugen spontan innere Bilder, sie „rufen Frames auf“, also Deutungsrahmen. Ein Beispiel: Eine neu eingerichtete Schulstraße kann als Schikane für Durchfahrende oder als mehr Sicherheit für Kinder „geframed“ werden. 

Als Kommunizierende können wir versuchen, positive Framings anzubieten. Solche Framings können Mut und Lust machen, denn sie setzen ein positives Vorzeichen. Mit den folgenden Begriffswelten erreichen Sie eher Offenheit und Zuspruch:
Leben gestalten, Stolz, Wahlfreiheit, Gerechtigkeit, Spaß, Hinzugewinnen, Mitmachen, Orientierung, Sicherheit, Fairness, Effektivität, Wirtschaftlichkeit, Ordnung, Beziehung, Bestätigung, Verbesserung, Verlässlichkeit oder Zuversicht.

Hintergründe und Beispiele zum Framing bei denWissens-Werkzeugen. 

Praxistipps

Sieben einfache Regeln aus dem Journalismus helfen, Texte klarer, verständlicher und lesefreundlicher zu machen:

  1. Verben statt Substantive verwenden („Behördendeutsch“ vermeiden)
  2. Aktive statt passive Sprache 
  3. Einfache und gebräuchliche Wörter
  4. Fremdwörter und Fachbegriffe vermeiden
  5. Wortstaubsauger: Füllwörter raus (eben auch, allerdings, übrigens, sozusagen, prinzipiell, quasi …)
  6. Überschaubare Sätze bauen (ein Gedanke pro Satz)
  7. Gliedern, fetten, aufzählen, Absätze einbauen

Beispiele für alle Regeln bei den Dos and Don'ts.

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Zeige den Nutzen

Gute Kommunikation verdeutlicht ganz konkret, was sich im Alltag verbessert. Sie zeigt den Nutzen, ermutigt, Veränderungen mitzutragen, weckt Neugier auf neue Angebote und Lust auf die Chancen, die sie bieten. Die folgenden Hinweise zeigen, worauf es ankommt.

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