Kapitel 8

Berücksichtige Gewohnheiten und Routinen

Wenn Kommunen neue Mobilitätsangebote schaffen, sollen sie auch genutzt werden. Doch Mobilität ist stark von Routinen geprägt und Angebote brauchen Motivation. Wer die folgenden Hintergründe kennt, kann wirksamer kommunizieren.

Kaffeetasse in die Spülmaschine, Jacke an, Rucksack auf, Autoschlüssel greifen, los zur Arbeit.

Oft läuft unser Alltag auf Autopilot. Routinen sind entlastend, denn so müssen wir nicht jeden nächsten Schritt bewusst entscheiden. Für unser Gehirn sind Gewohnheiten eine große Hilfe.

Kommunikation muss mit dieser Tatsache bewusst umgehen, um Motivation zu wecken und routinierte Abläufe beweglicher zu machen.

Motivation wecken

„Den öffentlichen Verkehr zu nutzen, entlastet Pendlerstraßen“ ist ein sehr vernünftiges Argument. Aber motiviert es, die neue Buslinie auszuprobieren?

  • Unser Gehirn schaltet bei Informationen ab, die es nicht wahrnehmen will.
  • Eine Person zu etwas zu motivieren, was sie nicht will, gelingt nicht.
  • Menschen möchten nicht „zu etwas gebracht werden“.

Was motivierend ist, kennen wir von uns selbst: Wir öffnen uns einer Idee, wenn wir das Gefühl haben, selbst darauf gekommen zu sein. Wenn äußere Umstände uns nicht ohnehin zum Umdenken zwingen, brauchen wir Lust darauf: einen inneren Antrieb. Kommunikation kann dazu beitragen, einen solchen Impuls wahrscheinlicher zu machen.

Lebensumbruchssituationen als gute Momente für Kommunikation nutzen

Umzug, neuer Job, Studien- oder Ausbildungsbeginn, die Geburt eines Kindes, dessen Einschulung, gesundheitliche Veränderung oder der verdiente Ruhestand – an solchen Punkten im Leben müssen Abläufe und Wege häufig neu organisiert werden. 

Hier kann Kommunikation – etwa einladende Infopost oder spezielle Anreize für Neuzugezogene – Ideen für nachhaltige Mobilität zeigen. Auch kleine Übergänge wie Jahreszeiten oder Angebote für begrenzte Zeiträume lassen sich kommunikativ nutzen: „Frühlingsradeln!“ oder „Drei Wochen beim Stadtradeln mitmachen!“ 

Klar: Kommunikation in Umbruchsituationen führt nicht automatisch zu Verhaltensveränderungen. Sie nutzt aber in jedem Fall einen Zeitpunkt, in dem Menschen offener sind, solche Informationen aufzunehmen.

Siehe Beispiele und Musterlösungen.

Entscheidungsfreiheit bieten

Die „schnelle Übung“ oben hat vielleicht schon in die Richtung gezeigt, die vielversprechend ist. Kommunikation, die verständnisvoll für Alltagsrealität und mit einem Schuss Gelassenheit auftritt, öffnet Türen: 

  • Menschen ihr eigenes Veränderungstempo zugestehen
  • anerkennen, wie viele Einzelschritte es benötigt, einen Pendelweg mit Rad und Bahn zurückzulegen, wenn man bisher ins Auto gestiegen ist: Rad vorbereiten, Kleidung anpassen, Zeiten planen – es kann viele Hürden geben, die es zu überwinden gilt. 

Kommunikation kann motivieren, eine Routine oder das gedankliche Konstrukt „Geht nicht anders!" ein erstes Mal zu durchbrechen. Sie kann die Sicherheit vermitteln, dass Menschen dabei weiterhin Kontrolle über ihre Entscheidungen haben. Sie kann andere zeigen, die offensichtlich Freude erleben und bei denen die neue Routine angenehm und leicht aussieht. Und sie kann anerkennen, belohnen und dadurch Lust auf Verstetigung machen.

Veränderungen brauchen Zeit und Gelegenheiten

Programme wie das Reallabor „Anders pendeln“ (Beispiele und Musterlösungen) nehmen Rücksicht darauf, dass eine Verhaltensveränderung wochenlange oder monatelange Praxis braucht. Solche Ansätze sind auf einen Zeitraum angelegt, in dem man neue Mobilität ausprobieren kann. Das Reallabor stellt beispielsweise fünf Monate lang ein D-Ticket, ein E-Bike oder ein Sharingangebot zur Verfügung. In dieser Zeit kann sich ohne den Druck eines kurzen Schnuppertests ein neues Verhalten festigen. 

Praxistipps 

Bereitschaft für eine Veränderung entsteht selten durch Drängen, Tadeln oder Kopfschütteln. 
Hilfreicher sind Begleitung, Empathie und die Unterstützung kleiner, machbarer Schritte. 

Kontrolle über das eigene Leben ist eines der wichtigsten Grundbedürfnisse. 
Deshalb ist es wichtig, bei Maßnahmen und Angeboten – soweit möglich – Entscheidungsfreiheiten mitzukommunizieren. 

Kommunikation von Verwaltungen oder Institutionen kann dazu beitragen, neue Routinen zu festigen – durch Wertschätzung, Anerkennung kleiner Schritte und Erfolge, ehrliches Lob und Mitfreude, zum Beispiel mit „Dank-Stationen“, Aktionen wie die Pendlerbrezel oder den Angeboten der RadKULTUR. Weitere Beispiele

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Blaues Notizbuch mit der handschriftlichen Aufschrift „Misinformation“ und eine Lupe auf leuchtend orangefarbenem Hintergrund.

Begegne Falschinformationen und Scheinargumenten

Falsche oder irreführende Informationen zerstören die Grundlagen der sachlichen Verständigung – auch bei Verkehrsprojekten. Wer ihre Wirkung kennt, kann ruhiger reagieren und leichter zum konstruktiven Gespräch zurückfinden.

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