Berücksichtige Gewohnheiten und Routinen

Beispiele und Musterlösungen

Ohne Zeitdruck ausprobieren 

Worum geht's?

Im Reallabor „Anders Pendeln“ können Menschen über mehrere Monate Alternativen zum Auto testen – etwa E-Bikes, Lastenräder oder den öffentlichen Verkehr.

Kommunikativ wirksam:

Wer sich im Reallabor anmeldet, kann ohne Zeitdruck verschiedene Möglichkeiten für den Arbeitsweg ausprobieren. Es fußt auf dem Wissen, dass Veränderungen von Routinen stets Wiederholung und Zeit, Kontrolle und Selbstbestimmung, Gelegenheit und Motivation ohne Druck brauchen. Nur dann können sie sich festigen. 

Das wissenschaftlich begleitete Pendel-Experiment soll standardisiert werden, sodass Kommunen und Landkreise es künftig mit überschaubarem Aufwand selbst anbieten können.

Träger ist ein Projektverbund: Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Sozial-ökologische Forschung, Regionalverband FrankfurtRheinMain, Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg. Gefördert wird das Projekt unter anderem durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Mobilität zeitlich begrenzt kostenlos testen

Worum geht's?

Ein 31-tägiges Alltagsexperiment für verändertes Mobilitätsverhalten in der Schweiz. 

Kommunikativ wirksam:

31DAYS ist ein Reallabor: Teilnehmende erhalten einen Monat lang kostenlos ein Generalabonnement für alle öffentlichen Verkehrsmittel, Zugang zu E-Bikes und E-Scootern sowie Carsharing. So können sie im realen Alltag ausprobieren, ob sie neben dem Auto flexibel mobil sein können. 

Dahinter steht – ähnlich wie im Beispiel “Anders pendeln” oben – der verhaltenswissenschaftliche Ansatz: Menschen sollen Spielräume konkret und risikofrei erleben. Laut Anbieter nutzen 90 Prozent der Teilnehmenden ihr Auto danach bewusster, weniger oder nicht mehr. 

Städte und Kantone, Unternehmen und Mobilitätsanbieter erhalten zudem neue Erkenntnisse über Bedürfnisse und Anreize. 

Träger: die Genossenschaft 42hacks und institutionelle Partner wie SBS, SwissPass, Sharinganbieter.

Challenges und Gamification – spielend Lust machen

Worum geht's?

Anreize, Belohnungen – aber auch das Spiel an sich spricht menschliche Eigenschaften an: Lust auf Herausforderungen, Neugier, Suche nach Vergnügen und Gemeinschaft. Dazu gibt es mittlerweile viele Beispiele.

Kommunikativ wirksam:

Challenges als spielerische Elemente steigern die Lust und Motivation, auch in der Mobilitätswelt. Sie motivieren zum Mitmachen und Dranbleiben. Solche Anreizsysteme, gern auf örtliche Begebenheiten angepasst und über lokale Netzwerke gespielt, haben große Chancen, Erfahrungen zu generieren. Nachhaltige Veränderungen sind damit nicht immer zu erreichen, aber der erste Schritt ist dennoch wertvoll.

Beispiele dafür sind die erfolgreiche Kampagnen Stadtradeln und Schulradeln in Baden-Württemberg. Der Preis für die erstplatzierte Schule sind ein Aktionstag und ein Wanderpokal.
Neu gestartet sind im Jahr 2026 die STADTRADELN-Derbys der Initiative RadKULTUR. Dabei treten Nachbarkommunen in einem freundschaftlichen Wettbewerb gegeneinander an: Der Gewinnerkommune winkt ein kostenloser RadCheckmit begleitenden Aktionen rund ums Rad. Derbys waren unter anderen Mannheim versus Heidelberg, Nürtingen versus Kirchheim unter Teck oder Vogtsburg im Kaiserstuhl versus Ihringen.

Prominent ist #allesgeht als Schrittechallenge zu nennen. Wirkungsvoll an #allesgeht ist, dass es Fußverkehr nicht als Pflicht oder Verzicht erzählt, sondern als leichte, soziale und positive Alltagserfahrung: niederschwellig, verbunden mit Freude und Gemeinschaft, spielerisch motivierend, kommunal organisiert.

Ein anderes Beispiel ist das Bonusprogramm "bonus mobil" der Ruhrbahn: Die App belohnt nachhaltige Fortbewegung mit "Klima-Moneten". Diese können die Menschen in Prämien eintauschen – vom Kaffee bis zum Theaterticket. 

Die Liste weiterer Beispiele ist lang: in dieser Broschüredes Umweltbundesamts sind ab Seite 24 auch internationale Best Practices zu finden.

WICHTIG: Um eine längerfristige Wirkung zu erzielen, müssen solche Challenges attraktive, anschließende Rahmenbedingungen bieten, also Infrastruktur, Tickets etc.

Über soziale Normen, Vorbilder und Nähe ansprechen

Worum geht's?

Die Kommunikationsmaßnahme“Hier bei Dir” macht Mobilitätsangebote vor Ort bekannt. Sie unterstützt Kommunen und Institutionen bei der Öffentlichkeitsarbeit und Vorstellung einer neuen Maßnahme.

Kommunikativ wirksam:

„Hier bei dir“ nutzt soziale Normen, indem die Kampagne sichtbar macht, dass Mobilitätswende bereits an vielen Orten stattfindet. Der zentrale Mechanismus ist: Es gibt schon viele gute Mobilitätsangebote vor Ort – und wir machen sichtbar, dass sie Teil einer Bewegung sind. Kommunen, Unternehmen und Akteure werden nicht nur informiert, sondern eingeladen, Teil dieser sichtbaren Bewegung zu werden. Das schafft Anerkennung für bestehende Angebote und macht es für andere leichter, selbst aktiv zu werden.

Wichtige Erfolgsfaktoren sind:
Sichtbarkeit: Gute Angebote bleiben nicht im Verborgenen, sondern bekommen Bühne und Wiedererkennbarkeit.
Nähe: Der Titel „Hier bei dir“ ist lokal und konkret. Es geht nicht um eine ferne Strategie, sondern um Angebote vor Ort.
Nachahmung: Wenn andere Kommunen zeigen, was sie bereits umsetzen, sinkt die Schwelle für weitere Kommunen. Sie erkennen bestenfalls: „Das könnten wir auch machen.“
Anerkennung: Wer ein Angebot einreicht, bekommt Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Das kann für Kommunen und Akteure motivierend sein, weil gute Arbeit sichtbar wird.

Kommunale Identität nutzen

Worum geht's?

Die landesweite Kampagne RadKULTUR will das Fahrradfahren schmackhaft machen – mit unterschiedlichen Angeboten, die Kommunen nutzen können. Unter anderem setzt sie auf die kommunale “Personalisierung”.

Kommunikativ wirksam:

Der Slogan der Kampagne lautet: “Hier fahren wir Rad" – und er kann je auf die entsprechende Kommune zugeschnitten werden: “In Stuttgart fahren wir Rad”, “In Ravensburg fahren wir Rad” usw. Damit wird mit einer sozialen Norm kommuniziert, während gleichzeitig das Lokalkolorit betont wird. 

Fenster der Möglichkeit nutzen: Kommunikation in Umbruchsituationen

Worum geht's?

Wer neu in den Ort zieht, erhält eine Mobilitätsberatung, junge Eltern erhalten Ideen und Anreize für Mobilität mit Kindern, in Betrieben informiert das Mobilitätsmanagement über Möglichkeiten.

Kommunikativ wirksam:

In Lebensumbruchsituationen sind Veränderungen von Routinen oft erforderlich. Manchmal entsteht Offenheit, nun endlich eine lange gehegte Idee umzusetzen. Kommunen können dieses Zeitfenster für Kommunikation nutzen. Die Stadt Ellwangen im Ostalbkreis bewirbt ihr Carsharing-Angebot beispielsweise gezielt bei Hinzugezogenen oder in Neubaugebieten. Dabei kommt der anschauliche Slogan “Zweitwagen für die ganze Nachbarschaft” zum Einsatz. 

Die Stadt Offenburg macht mit einem Neubürgerpaket “Mobil in Offenburg” inklusive Gutscheinbogen auf die Angebote aufmerksam.

Die Stadt Erlangen bietet eine Mobilitätsberatung sowie ein kostenloses Info-Paket für Neubürgerinnen und Neubürger an. Auf der dazugehörigen Webseite gibt es die wichtigsten Infos, zum Beispiel zum Radfahren oder dem kostenlosen ÖPNV in der Innenstadt, schon mal zusammengefasst. 

Die Kampagne Mobabylitydes Verkehrsministeriums Baden-Württemberg begleitete Eltern mit einem Info-und unterhaltsamen kurzen Videoclips, die dazu ermutigen, mit Kindern alle Verkehrsarten zu nutzen – weil alle ein Abenteuer sein können!

Motivierende Maskottchen und Anreize für den Schulweg 

Worum geht’s?

Die RegioENERGIE hat für Bietigheim, Ötigheim und Steinmauern das Projekt „Laufbus- und Schulwegekonzept“ ins Leben gerufen. Ziel des Konzepts ist es, die Zahl der Elterntaxis zu verringern und sichere Schulwege für Kinder zu schaffen. Dabei winken Anreize.

Kommunikativ wirkungsvoll:

In der Kampagnen-Story sorgen die Maskottchen Drache Willi Wachsam, Zebra Hardty und Erdmännchen Flößi Flink dafür, dass die Kinder auf sicheren Wegen in die Schule kommen. Die kindgerecht gestalteten Maskottchen sprechen Kinder als Zielgruppe passend an und motivieren sie, in die Schule zu laufen. Lauffreudige Kinder erhalten einen Stempel oder Aufkleber und am Schuljahresende eine kleine Belohnung. Außerdem lernen die Kinder, wie sie sich im Straßenverkehr richtig verhalten. Das gemeinsame Erlebnis stärkt wiederum die Kommunikation, weil sie direkt in den Alltag umgesetzt wird.

Drei Verwaltungen haben das Laufbus- und Schulwegekonzept zusammen erarbeitet. Das gemeinsame Konzept bzw. der gemeinsame Auftritt stärkte die Akzeptanz der Kampagne. Die Zahl der Elterntaxis hat sich bereits reduziert. 

Das “Laufbus- und Schulwegekonzept” war 2025 für den Landespreis “Wir machen Mobilitätswende” in der Kategorie „Kommunikation“ nominiert. 

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