Es ist Freitagabend, das Auto ist beladen, die Kinder sitzen auf dem Rücksitz, der Urlaub kann starten. Doch wie gut funktioniert die Reise mit dem E-Auto auf langen Strecken wirklich? Wir rechnen es durch – an einer typischen Urlaubsroute, mit konkreten Zahlen und einem realistischen Blick auf Kosten, Ladezeiten und Infrastruktur.
Auf der Urlaubsstrecke kommen meist Schnelllader zum Einsatz – und die sind deutlich teurer als das Laden zu Hause. Wer spontan ohne passenden Tarif lädt, zahlt oft unnötig viel. Mit etwas Vorbereitung lassen sich Kosten, Ladepausen und die Routenplanung aber deutlich besser steuern.
Wir zeigen am Beispiel der Strecke von Stuttgart an die Côte d’Azur, welche Ladestopps sinnvoll sind, wie viel Zeit unterwegs wirklich verloren geht und wie du teure Ad-hoc-Ladungen vermeidest, um entspannter ans Ziel zu kommen.
Auf einen Blick: Wann lohnt sich das E-Auto auf Reisen?
Spricht dafür, wenn…
- du vorab eine Ladekarte oder ein passendes Abo nutzt und nicht spontan ohne Vertrag lädst.
- du deine Route vorab mit Ladepunkten und Ladezeiten mit Hilfe einer App planst (zum Beispiel ABRP, ChargeMap, ADAC Drive).
- dein Auto an Schnellladern zügig lädt – idealerweise mit 150 Kilowatt oder mehr.
Spricht dagegen, wenn…
- du ausschließlich Ad-hoc ohne Abo laden möchtest – das ist teurer als ein sparsamer Verbrenner.
- du erst unterwegs nach freien Ladepunkten suchst.
- du kein modernes Fahrzeug mit hoher Ladeleistung (mindestens 150 Kilowatt) fährst und dadurch längere Stopps brauchst.
Was Strom an der Autobahn wirklich kostet
Die Preisspanne beim Schnellladen ist enorm: zwischen 39 Cent pro Kilowattstunde im Abo (bei Ionity oder EnBW) und 96 Cent pro Kilowattstunde beim spontanen Laden ohne Vertrag liegt der mögliche Preis – eine Differenz von mehr als 100 Prozent für denselben Strom aus derselben Säule. Laut ADAC ist Ad-hoc-Laden bis zu 62 Prozent teurer als das Laden mit einer App oder Ladekarte desselben Anbieters. Das entscheidet darüber, ob 100 Kilometer Strom sieben oder zwölf Euro kosten.
Wann lohnt sich ein Abo-Tarif?
Ein Abo rechnet sich, wenn die Ersparnis pro Kilowattstunde die monatliche Grundgebühr übersteigt.
Beispiel EnBW mobility+ (nur gültig an Ladesäulen der EnBW):
- Tarif S (0,56 Euro pro Kilowattstunde, keine Grundgebühr) lohnt sich ab der ersten Kilowattstunde.
- Tarif L (0,39 Euro pro Kilowattstunde, 11,99 Euro pro Monat Grundgebühr) rechnet sich gegenüber Tarif S ab rund 70 Kilowattstunden pro Monat – also etwa einer längeren Urlaubsfahrt im Monat. Wer seltener fährt, ist mit einer Ladekarte ohne Grundgebühr besser bedient.
Für gelegentliche Urlaubsfahrten eignet sich eine markenunabhängige Ladekarte ohne Grundgebühr. Sie funktioniert an den meisten Ladesäulen in Deutschland und Europa und rechnet nach Kilowattstunden ab – an der Schnellladesäule ab 0,55 Cent pro Kilowattstunde ohne monatliche Fixkosten.
Wichtig: Du solltest den Preis vor dem Laden immer in der App prüfen.
Ladeinfrastruktur: Von Land zu Land verschieden
Kosten und Abdeckung von Schnellladesäulen sind nicht in allen europäischen Ländern gleich. Besonders teuer kann Ad-hoc-Laden in Irland, Italien, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien sein. Besonders günstig kann Schnellladen im Baltikum, in Osteuropa und Skandinavien sein. Spanien, Kroatien und Frankreich liegen preislich im Mittelfeld.
Entscheidend ist aber weniger das Urlaubsland als der konkrete Ladepunkt: Tarife können sich – auch regional – stark unterscheiden, je nachdem ob du beim Discounter oder auf der Autobahn, mit einem Abotarif oder mit Roaming lädst. Lokale Direkttarife können im Ausland ebenfalls einen erheblichen Unterschied machen. Nutze daher Apps wie Chargeprice, diese finden für jede einzelne Säule in Europa den günstigsten Tarif in Echtzeit.
Europaweit gibt es inzwischen mehr als eine Million öffentliche Ladepunkte. Auf großen Reiserouten ist die Abdeckung meist gut, auch wenn es je nach Land und Region weiterhin Unterschiede gibt.