Benzin und Diesel werden teurer – sind E-Autos die günstigere Alternative?

Du stehst an der Zapfsäule und stellst dir die Frage: „Wie konnte das noch teurer werden als beim letzten Mal?“ 

Ein steigender CO₂-Preis und politische Konflikte lassen den Gang zur Zapfsäule immer bitterer werden. Aber was ist die Alternative? Ein E-Auto vielleicht? Du denkst an die Geschichten von satten 84-Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf der Autobahn, also in etwa 14 Euro auf 100 Kilometer. Du verwirfst den Gedanken wieder. Aber nicht so schnell – dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel. Tatsächlich: Ein E-Auto ist nicht automatisch günstiger als ein Verbrenner. Aber je nachdem, wo und wie du lädst, ist es durchaus konkurrenzfähig, wenn nicht sogar günstiger im Betrieb. 

Der entscheidende Unterschied: Beim E-Auto kannst du deine Ladekosten aktiv und recht zuverlässig selbst beeinflussen – durch Tarifwahl, Ladeort und – ähnlich wie beim Tanken – durch die Tageszeit. Bei Benzin und Diesel hast du weniger Einfluss: Die Preise werden maßgeblich durch Entwicklungen auf dem Weltmarkt bestimmt. Außerdem steigen die Kosten zusätzlich durch den CO₂-Preis weiter an. 

Strom ist da oft die günstigere Variante. Wer hauptsächlich zu Hause, beim Arbeitgeber oder an günstigen Standard-Säulen laden kann, kommt meist auf 4 bis 7 Euro pro 100 Kilometer – mit eigenem Solarstrom sogar auf 3 bis 4 Euro. Teure Ausnahme: Wer dauerhaft auf teure Schnellladesäulen ohne Tarif angewiesen ist – etwa auf der Autobahn – zahlt ähnlich viel oder sogar mehr als für Benzin oder Diesel.

Auf einen Blick: Wie lade ich möglichst günstig? 

Ob ein Elektroauto sich für dich rechnet, hängt auch von deinen Lademöglichkeiten ab. Der folgende kurze Überblick gibt dir Orientierung: 

Kann ich zu Hause laden? 

  • Ja, wenn eigener Stellplatz oder Garage: Stromtarif prüfen (besonders Nachttarife können hier große Kostenvorteile bedeuten), Wallbox ab ~1.000 Euro
  • Ladekosten: ca. 4-7 Euro/100 Kilometer | mit PV: 3-4 Euro / 100 Kilometer 

Bin ich eher auf öffentliches Laden angewiesen? 

  • Ladekarte ohne Grundgebühr besorgen (zum Beispiel Maingau, entega): ohne Monatskosten oder Anbieterbindung, günstiger als Ad-hoc-Zahlen
  • Übersichts-App installieren (Chargemap oder PlugShare)
  • Ladekosten: ca. 12 Euro/100 Kilometer (je nach Tarif und Ladetyp) 

Viel Autobahn, lange Strecken? 

  • Abo-Tarif prüfen (zum Beispiel EnBW Ladetarif L 11,99 Euro/Monat, ab 0,39 Euro/Kilowattstunde) – besonders lohnend, wenn du viel und meist beim gleichen Anbieter lädst 
  • Fahrzeugauswahl: Modelle mit schnellem DC-Laden (150+ Kilowatt) sparen Zeit 

Was kostet mich mein E-Auto pro Monat beim Laden? 

  • Formel: (Kilometer/Monat) ÷ 100 × (Kilowattstunden/100 Kilometer) × Strompreis
  • Beispiel Haushaltsstrom Wallbox: 1.000 Kilometer, 20 Kilowattstunden/100 Kilometer, 0,35 Euro/Kilowattstunden = 70 Euro/Monat
  • Zum Vergleich: gleiche Strecke Benziner 7 Liter/100 Kilometer, 1,73 Euro = 121,10 Euro/Monat

Spritkosten versus Ladekosten 

Auf 100 Kilometer gerechnet ergeben sich ungefähr folgende Orientierungswerte (Stand Oktober 2025, vor der Ölkrise) 

Zu Hause laden

Die meisten Elektroautos werden zu mehr als 80 Prozent zu Hause geladen. Praktisch, denn der günstigste Strom, den du für dein Auto bekommen kannst, kommt aus der heimischen Steckdose. Das klingt banal, ist aber viel wert: Die Nutzung der öffentlichen Ladeinfrastruktur bildet die Ausnahme, zum Beispiel auf dem Weg in den Urlaub oder bei unvorhergesehenen Stopps. Mit Nachttarifen deines Stromanbieters kommst du noch billiger weg und am günstigsten tankst du den eigenen Solarstrom. Wenn du als Mieterinnen oder Mieter zu Hause keine Lademöglichkeit hast, gibt es vielleicht eine Lademöglichkeit mit günstigen Preisen am Arbeitsplatz.

Deine Schnell-Checkliste

  • Eigener Stellplatz / Garage: vorhanden?
  • Netzauslastung und technische Möglichkeiten für einen Hausanschluss prüfen à Wallbox prüfen 
  • Stromtarife vergleichen: Nachttarif, E-Auto-Tarif oder dynamischer Tarif 
  • Photovoltaik-Anlage: Überschussladen einrichten → günstiger Eigenstrom 
  • Ladekabel: Typ-2 für Wallbox, Schuko-Adapter für Notfall-Steckdose 
  • Kein Stellplatz: Arbeitgeber/Tiefgarage/öffentliche Nachbarschaftslösung prüfen

Weitere Infos zum Laden zu Hause

Die kurze Antwort: Es geht auch ohne, aber eine Wallbox macht das Leben einfacher und auf Dauer günstiger. 

Ohne Wallbox kann man ein Elektroauto an einer normalen Haushaltssteckdose (Schuko) laden. Das ist aber langsam – je nach Fahrzeug und Akku dauert eine Vollladung 12 bis 24 Stunden. Auch für den dauerhaften Einsatz ist das nicht optimal. Denn normale Steckdosen sind nicht für diese Dauerbelastung ausgelegt. 

Eine Wallbox hingegen lädt in 4 bis 8 Stunden, ist sicherer und in der Regel auch smarter: Viele Modelle lassen sich zeitgesteuert betreiben. Sie laden also dann, wenn der Strom am günstigsten ist. Laut Finanztip hat sich die Installation einer Wallbox im Vergleich zum regelmäßigen öffentlichen Laden bereits nach 3 Jahren gelohnt. 

Kleiner Tipp: Prüfe deinen Stromtarif, wenn du zuhause lädst, denn einige Anbieter haben spezielle Nachttarife oder E-Auto-Tarife mit reduzierten Kilowattstunden-Preisen.

Der durchschnittliche Preis für das Zuhause laden lag im Oktober 2025 bei rund 35 Cent pro Kilowattstunde (ADAC). Das ergibt bei einem Durchschnittsverbrauch von etwa 20 Kilowattstunde auf 100 Kilometer (z. B. VW ID.3) Ladekosten von ca. 7 Euro je 100 Kilometer. 

Wer seinen Stromtarif optimiert oder von einem günstigeren Nachtangebot profitiert, kann diesen Wert auf unter 5 Euro je 100 Kilometer drücken. Und wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kommt mit Eigenstrom auf nur ca. 3,60 Euro je 100 Kilometer.

Das ist tatsächlich ein blinder Fleck: Wenn du weder Garage noch Stellplatz hast oder als Mieterin und Mieter nicht eigenständig über die Installation einer Wallbox entscheiden darfst, fällt das Zuhause-Laden meist als Option weg. 

Hier hilft häufig der Arbeitsplatz – Laden beim Arbeitgeber ist in der Regel steuer- und sozialabgabenfrei. Außerdem wächst die öffentliche Infrastruktur in Städten spürbar: In Deutschland gibt es laut Bundesnetzagentur (Stand Februar 2026) fast 146.500 Normalladepunkte und über 49.900 Schnellladepunkte. Kleiner Bonus: Wer beim Einkaufen in der Stadt lädt, kann kostenlos auf dem Ladeplatz parken. Allerdings sollte das nicht die einzige Motivation sein, mit dem Auto in die Stadt oder zur Arbeit zu fahren. 

Für Menschen ohne eigene Lademöglichkeit bleibt öffentliches Laden der Hauptkanal. Aber wie sieht es dabei mit den Kosten aus?

Unterwegs laden

Beim Thema unterwegs laden, entsteht leicht das Gefühl der „Unkalkulierbarkeit“: Die Preise beim öffentlichen Laden sind aufgrund zahlreicher Anbieter oft unübersichtlich und die Abrechnungsmodelle sind unterschiedlich. Doch auch das ist lösbar, wenn du ein paar wichtige Punkte berücksichtigst.

Deine Schnell-Checkliste 

  • Ladekarte ohne Grundgebühr besorgen ( zum Beispiel Maingau, entega) 
  • Übersichts-App installieren (Chargemap oder PlugShare) 
  • Abo-Tarif prüfen (zum Beispiel EnBW ab 11,99 Euro/Monat, 0,39 Euro/Kilowattstunde) 
  • Fahrzeugauswahl: Modelle mit schnellem DC-Laden (150+ Kilowatt) sparen Zeit 

Weitere Infos zum Laden unterwegs

Öffentliche Ladesäulen teilen sich in zwei große Kategorien: Wechselstromlader (AC oder auch „normale Lader“) und Gleichstromlader (DC oder auch „Schnelllader“). AC-Laden dauert länger (typisch 3 bis 8 Stunden) und ist günstiger. DC-Laden geht schneller (in 20 bis 45 Minuten auf 80 Prozent) kostet aber mehr. 

Als Faustregel kannst du dir merken: AC-Laden lohnt sich, wenn das Auto mehrere Stunden steht (zum Beispiel im Supermarkt, im Büro, bei Übernachtung). DC-Laden ist für Zwischenstopps auf längeren Strecken sinnvoll, zum Beispiel auf dem Weg in den Urlaub. Für den Alltag ist das AC-Laden in der Regel aber vollkommen ausreichend.

Das liegt vor allem an einem Markt, der noch nicht komplett ausgereift bzw. aufeinander abgestimmt ist. 

Erstens gibt es dutzende verschiedene Ladesäulenbetreiber (CPOs) in Deutschland, jeder mit eigenen Tarifen: Die Preise für eine Kilowattstunde liegen beim Laden mit einer Vertragskarte zwischen rund 39 und 69 Cent. Wer ohne Ladekarte, also ad hoc die Kreditkarte nutzt, zahlt oft spürbar mehr. Zum Beispiel lag der teuerste Ad-hoc-Preis in einer ADAC-Untersuchung von Juli 2025 bei 87 Cent pro Kilowattstunde  – mit Vertragskarte desselben Anbieters kostete die Kilowattstunde nur 59 Cent. 

Zweitens existieren zwei Abrechnungsmodelle mit großen finanziellen Unterschieden: 
• Kilowattstunden-basiert (du zahlst für die geladene Menge, transparent) und 
• zeitbasiert (du zahlst pro Minute – das kann teuer werden, wenn das Auto langsam lädt, und die Kosten sind im Voraus schwer abschätzbar). 
Seriöse Anbieter arbeiten heute überwiegend mit Kilowattstunden-Abrechnung, aber komplett durchgesetzt hat sich das Modell noch nicht. 

Zusätzlich können noch Kosten für „Roaming“ dazukommen: Wenn du mit der Ladekarte von Anbieter A an einer Säule von Anbieter B lädst, zahlt Anbieter A eine Roaminggebühr, die oft an dich weitergegeben wird.

Wie Du siehst, ist es ein kniffliges Thema. Apps können unterstützen. Dabei brauchst du nicht viele Apps – nur die richtigen. 

Zunächst ist eine Übersichtskarte hilfreich wie beispielsweise A Better Routeplanner (ABRP), ChargeMap, ADAC Drive oder PlugShare: Sie zeigt dir, wo Ladesäulen sind, welche gerade frei sind und – zunehmend – welche Preise gelten. 

Der zweite Gamechanger ist eine markenunabhängige Ladekarte ohne Grundgebühr. Anbieter wie Maingau Energie oder entega bieten Kilowattstunden-basierte Karten an, die an zehntausenden Ladesäulen in Deutschland und Europa funktionieren – für rund 39 bis 50 Cent/Kilowattstunde, ohne monatliche Kosten. 

Wer viel auf Reisen ist und häufig Schnellladesäulen nutzt, kann mit einem Abo-Tarif sparen: EnBW zum Beispiel berechnet im günstigsten Tarif 0,39 Euro/Kilowattstunde – bei einer Grundgebühr von 11,99 Euro im Monat. Das lohnt sich ab rund 120 Kilowattstunden, die monatlich unterwegs geladen werden.