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Vernetzte Mobilität
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Digital ist besser – auch besser unterwegs

Was ist eigentlich ein Bahnhof – nur der Ort, an dem die Züge halten? Nicht in Ludwigsburg: Der siebtgrößte Bahnhof in Baden-Württemberg kann mehr. Welche Rolle erneuerbare Energien, Elektroautos und eine neue Mobilitätsapp dabei spielen, darüber berichtet Heinz Handtrack, Projektleiter bei „Ludwigsburg Intermodal“. Gefördert wird dieses Projekt im Rahmen des Schaufensters Elektromobilität Baden-Württemberg („livinglab BWe-mobil“).

Herr Handtrack, worum geht es bei „Ludwigsburg Intermodal“?

Ludwigsburg Intermodal ist eines der größten „Schaufensterprojekte“ in Baden-Württemberg. Ludwigsburg bekommt in diesem Rahmen einen „Wohlfühlbahnhof“. Das heißt konkret: Der Bahnhof ist sauberer und heller geworden. Es gibt jetzt digitale Anzeigen und Durchsagen für die Fahrgäste, was auf einem Bahnhof dieser Größe sonst nicht üblich ist. Wir haben am Bahnhof außerdem Car-Sharing mit Elektrofahrzeugen und zwei Ladestationen eingerichtet. Eine neue Solaranlage auf einem angrenzenden Parkhaus  mit einem Elektrospeicher am Gebäude bedient diese Ladestation.

Was ist das Ziel dieser Maßnahmen?
Der Bahnhof soll nicht nur ein reiner Verkehrsknotenpunkt sein, an dem sich die Verkehrsträger treffen, sondern viel mehr ein „Mobility Hub“: eine logistische Begegnungsstätte, bei der auch soziale Aspekte zum Tragen kommen. Das gesamte Mobilitätsangebot wird so aufgewertet.

Wer profitiert davon?
Im Wesentlichen die Pendlerinnen und Pendler. Wenn Sie einen Mobility Hub mit einem attraktiven Mobilitätsangebot haben, profitiert aber auch die Stadt: Innovative Unternehmen, die sich in Ludwigsburg ansiedeln, sagen explizit, dass ihnen die Anbindung und das ganze Arbeitsumfeld wichtig ist – sprich das, was im Stadtraum stattfindet.

Was wissen Sie über Ihre Zielgruppe, die Pendler?
Wir haben gerade eine Pendlerumfrage durchgeführt. Ergebnis: Pro Tag nutzen etwa 50.000 Pendlerinnen und Pendler diesen Bahnhof. Allein 30.000 davon sind Personen, die von Ludwigsburg weg, in der Regel nach Stuttgart, pendeln. Der Rest sind sogenannte Einpendler aus der umliegenden Region oder Binnenpendler, die innerhalb Ludwigsburgs zum Beispiel zur Arbeit fahren. Die Zufriedenheit all dieser Menschen ist hoch, die Rückmeldungen waren sehr positiv.

Was ist bei den vielen Teilprojekten das wichtigste?
Das wichtigste ist noch im Werden: unsere Mobilitätsapp. Sie bietet ein komplettes Mobilitätsangebot vom Anzeigen der möglichen Wege über die Preisauskunft bis hin zum E-Ticket-Kauf. Meines Wissens gibt es in Deutschland bisher noch keine Mobilitätsapp, die das so vollumfänglich kann.

Was kann man mit der App alles machen?
Ein Beispiel: Sie fahren morgens im Umland los und erfahren von einem Stau. Unsere App schlägt dann beispielsweise vor: In fünf Kilometern kommt ein „Park & Ride“-Platz mit freien Parkplätzen, drei Minuten später fährt die S-Bahn Richtung Stuttgart. Gleichzeitig wird der Preis angezeigt. Man drückt dann nur noch einen Knopf und hat sein E-Ticket auf dem Bildschirm. Toll, oder? Alle Verkehrsmittel, die es in der Region gibt, sind dabei, Car-Sharing, Pedelecverleih, Bus, Bahn. In naher Zukunft könnten noch zusätzliche Services einbezogen werden. Diese intelligente Verknüpfung der Angebote hebt die Idee von Mobilität auf eine neue, digitale Stufe.

Was wollen Sie damit erreichen?
Ziel ist natürlich, den Verkehr auf der Straße deutlich zu reduzieren und zu zeigen, dass es eine Alternative zum Auto gibt, die unter Umständen preiswerter ist, als viele glauben.

Was waren bisher die besonderen Herausforderungen?
Ludwigsburg Intermodal besteht ja aus mehreren Teilprojekten. Das ist in der Gesamtkoordination der einzelnen Partner immer etwas schwierig. Als Praxistipp für andere Kommunen würde ich sagen: Man muss die Projektleitung in der Hand behalten, um das Ganze vorantreiben zu können – es geht schließlich um Projekte im Stadtraum. Deshalb muss die Stadt die Koordination übernehmen.

Wie ist die Akzeptanz der Bürger?
Was den Bahnhof angeht, wurde die Bevölkerung bereits in einem frühen Stadium eingebunden. Die Akzeptanz ist hoch. Hier ist wichtig, den Bürgerinnen und Bürgern den Nutzen zu erklären, damit sie erkennen: Diese Innovation kommt bei mir an. Wenn der Förderzeitraum im Juni ausläuft, wird die App zum Beispiel auf jeden Fall weitergeführt. Das ist ja nicht nur ein Forschungsprojekt oder ein Prototyp, sondern die App bildet das gesamte Mobilitätsangebot in der Region transparent ab. Das kann uns also die nächsten 20 Jahre begleiten.

Was ist Ihre Mobilitätsvision für diesen Zeitraum?
Wir haben noch viele Ideen, etwa induktionsbetriebene Busse. Wichtig ist, dass wir in der digitalisierten Stadt die Daten so verknüpfen, dass die Bürger den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen und wir die Anwendungen auf einfachste Art zur Verfügung stellen. Dann wird vieles leichter, was wir uns heute noch mühsam zusammensuchen müssen.

Heinz Handtrack ist Beauftragter der Stadt Ludwigsburg für nachhaltige Mobilität und Elektromobilität.

Weiterführende Informationen

Projektseite auf LivingLab BWe mobil