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Interview
  • Minister Winfried Hermann bei der Übergabe seines Dienstfahrzeugs durch Prof. Dr. Thomas Weber, Mitglied des Vorstandes der Daimler AG. Bild: © Daimler AG

Mit gutem Beispiel voran: Wie die Landesverwaltung ihre Fahrzeuge klimafreundlich modernisiert

Schritt für Schritt setzt die Landesregierung bei ihrer Fahrzeugflotte auf Elektro- und Hybridfahrzeuge. Eine Förderlinie macht’s möglich. Christoph Mittermayr vom Ministerium für Verkehr ist dort im neuen Referat für behördliches und betriebliches Mobilitätsmanagement in Baden-Württemberg für diese Beschaffungsinitiative zuständig. Er kennt sich aus mit den Fakten und Kriterien. Welche Ziele mit der Elektrifizierung verfolgt und welche Ergebnisse erreicht wurden, erzählt er im Interview.

Das Land Baden-Württemberg treibt die Elektrifizierung der Landesfahrzeugflotte seit 2011 voran. Welche Ziele werden konkret angestrebt?

Christoph Mittermayr: Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die klima- und wirtschaftspolitischen Ziele des Landes erreicht werden. Die gesamte Landesverwaltung hat eine wichtige Vorbildfunktion dabei, nachhaltige Mobilität sichtbar zu machen. Wir verfolgen das Ziel, bis zum Jahr 2040 die Landesverwaltung weitgehend klimaneutral zu organisieren. So steht es im Klimaschutzgesetz. Bis Ende des Jahres 2015 will die Landesregierung ein Zehntel des Fuhrparks von Ministerien und Behörden mit Elektrofahrzeugen betreiben. Damit soll eine Reduktion des CO2-Ausstoßes im Flottenmix auf maximal 130 g CO2 pro Kilometer erreicht werden. Dafür werden in den Jahren 2012 bis 2015 insgesamt 6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Wie soll dieses Ziel erreicht werden?
Mittermayr: Die baden-württembergische Landesregierung hat ein Maßnahmenpaket geschnürt, die sogenannte „Landesinitiative Elektromobilität II“. Die darin enthaltene Beschaffungsinitiative sieht die schrittweise Elektrifizierung der Landesfahrzeugflotte sowie die Förderung von Rollern und Pedelecs vor.

Welche Fahrzeuge werden gefördert?
Mittermayr: Es kann eine Förderung für ein E- oder Hybridfahrzeug, einen E-Roller oder ein Pedelec beantragt werden. Ersetzt werden die Fahrzeuge, deren Leasingverträge ohnehin auslaufen oder die ausgemustert werden. Wir wollen mit dieser Beschaffungsinitiative nicht erreichen, dass die Landesverwaltung mehr Fahrzeuge hat, sondern konventionell betriebene Fahrzeuge durch E-Fahrzeuge ersetzen. Das gilt selbstverständlich nicht für die Pedelecs – die gibt es on top.

Welche Kriterien müssen erfüllt werden, damit eine Förderung bewilligt werden kann?
Mittermayr: Gefördert werden nur Fahrzeuge zur Personenbeförderung. Antragsberechtigt sind die Landesministerien und die Landesbetriebe, wie etwa der Stuttgarter Zoo, die Wilhelma. Außerdem sind Landesbeteiligungen förderbar, wenn sie im 100-prozentigen Landesbesitz sind – wie etwa die Rothaus-Brauerei oder die Staatstheater.

Wie läuft denn das Förderverfahren? Da gibt es doch sicherlich einiges zu beachten, oder?
Mittermayr: Es geht wesentlich einfacher und schneller als die meisten Kolleginnen und Kollegen erwarten. Die Dienststellen bleiben voll in der Verantwortung für Ausschreibung und Vergabe. Wir reden niemandem rein, unterstützen aber mit Rat wenn gewünscht. Wir wollen die Vergleichsangebote sehen, aus denen die Preisdifferenz zwischen E-Fahrzeugen und Verbrennern ersichtlich ist. Darauf erfolgt zügig unsere schriftliche Zusage. Damit können die Kolleginnen und Kollegen dann die Fahrzeuge bestellen. Liegt die Rechnung vor, stellen wir die Mittel zur Verfügung.

Über wie viele Fahrzeuge verfügt die Landesverwaltung?
Mittermayr: Die Fahrzeugflotte der Landesverwaltung ist dezentral organisiert, das heißt: Jedes Ministerium und jede Behörde ist für den eigenen Fuhrpark verantwortlich. Insgesamt zählen wir rund 6.500 Fahrzeuge – darunter ca. 5.200, die im Polizeibetrieb im Einsatz sind. Bei den Landesministerien sind 674 Fahrzeuge zur Personenbeförderung eingesetzt.

Die Förderperiode zur Elektrifizierung der Landesfahrzeugflotte endet mit Ablauf des Jahres 2015. Sind Sie mit der bisherigen Entwicklung zufrieden?

Mittermayr: Ja, wir sind zufrieden, bleiben aber ehrgeizig. Immer mehr Dienststellen machen von unserem Angebot Gebrauch. Von insgesamt 674 Fahrzeugen zur Personenbeförderung wurden seit Beginn des Förderprogramms bis Ende Juni 2015 64 Fahrzeuge elektrifiziert – zudem wurden 343 Pedelecs beschafft. Mehr als 100 Pedelecs werden dabei alleine von Polizeibeamtinnen und -beamten oder Angestellten an Hochschulen genutzt. Aber auch mit Blick auf die Fahrzeugförderung geht die Kurve steil nach oben. Die Tendenz ist weiter ansteigend. Weitere Institutionen haben einen Förderantrag bereits angekündigt.

Der Start der Förderperiode lief also eher verhalten.
Mittermayr: Ja. Das lag 2012 unter anderem auch daran, dass das Angebot von E-Fahrzeugen am Markt noch nicht so groß war. Hinzu kommt, dass man für E-Mobilität Überzeugungsarbeit leisten muss. Im Jahr 2015 spricht man von einem Übergang der Marktvorbereitungsphase zu einer Markthochlaufphase der Elektromobilität. Die deutsche Automobilindustrie hat im Jahr 2015 eine Modelloffensive gestartet und bietet zahlreiche neue E- und Hybridfahrzeuge an. Aber auch die Eigenvermarktung des Förderprogramms hat sich verändert und zeigt seine Wirkung. Es spricht sich rum, dass es diese Förderlinie gibt und dass unser Verfahren unkompliziert ist und schnell läuft. Und seitdem wir mit dem behördlichen Mobilitätsmanagement neu aufgestellt sind, konnten wir auch stärker in die aktive Bewerbung einsteigen.

Das Förderprogramm hat das Ziel, den CO2-Ausstoß im Flottenmix beträchtlich zu senken. Wie nah sind Sie Ihrem Ziel schon gekommen?
Mittermayr: Der CO2-Ausstoß des Landesfuhrparks konnte bereits signifikant verringert werden. Im Jahr 2011 wurden im Durchschnitt bei der gesamten Landesflotte 148,1 Gramm CO2 pro Kilometer gemessen. 2014 hatten wir mit 131,9 Gramm CO2 unser erklärtes Ziel von maximal 130 Gramm CO2 schon fast erreicht. Einzelne Dienststellen, die früh und konsequent in die Elektrifizierung ihres Fuhrparks eingestiegen sind, haben noch bessere Werte. Nehmen Sie das Regierungspräsidium in Stuttgart, das einen Flottenwert von 122 g CO2/km erreicht hat.