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Betriebliche Mobilität
  • Klaus Baumgärtner lädt einen Tesla aus der firmeneigenen E-Flotte auf. © BridgingIT

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Alle Zeichen stehen auf grün beim IT-Unternehmen bridgingIT, denn der Betrieb verfügt bundesweit über die größte E-Flotte im Langstreckenbereich. Welche Herausforderungen bewältigt wurden, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Stromer reagieren und welche Pläne es für die Zukunft gibt, erzählt Geschäftsführer Klaus Baumgärtner im Interview.

Herr Baumgärtner, vor rund einem Jahre haben Sie mit der Umstellung Ihres Fuhr-parks auf eine Elektro-Dienstwagenflotte einen „grünen Weg“ eingeschlagen. Welche Bilanz ziehen Sie?

Klaus Baumgärtner: Die Bilanz ist positiv. Wir haben zufriedene und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich für die E-Fahrzeuge begeistern. Wir haben festgestellt, dass es bei der Nutzung und der Produktivität der Fahrzeuge keine Einschränkungen gibt. Die CO2-Bilanz kann sich sehen lassen: In gut einem Jahr sind wir 450.000 Kilometer gefahren und haben insgesamt 67 Tonnen CO2 eingespart. Die Kostenersparnis der Stromer muss man dagegen differenzierter betrachten.

Inwiefern?

Baumgärtner: Die reine Vollkostenrechnung, die bei den klassischen Fahrzeugen angewandt wird, lässt sich nicht auf den Bereich Elektromobilität übertragen. Das Angebot von E-Fahrzeugen auf dem Markt ist begrenzt, und die, die es gibt, liegen eher im höherpreisigen Segment. Im Vergleich zu einem Diesel oder Benziner sind die Anschaffungs- ebenso wie die Leasingkosten höher. Positiv aufgefallen ist uns, dass wir innerhalb eines Dreivierteljahres rund 10.000 Euro Spritkosten eingespart haben. Und wir haben mit unseren „Stromern“ keine Servicekosten.

Was hat Sie dazu bewogen, Elektroautos in die Firmenflotte zu integrieren?
Baumgärtner: Schon bei unserer Gründung 2008 wurden verschiedene ökologische und soziale Verantwortungskomponenten festgehalten. Wir nennen das unsere „grüne DNA“. Und die beinhaltet, dass wir nicht nur über Elektromobilität reden und unsere Kunden zu diesem Thema beraten, sondern selber aktiv nachhaltig handeln. Dabei geht es ganz klar auch um Glaub-würdigkeit. Zudem sind wir ein junges Unternehmen. Das Durchschnittsalter unserer Ange-stellten ist 38, sie sind Teil einer Generation, bei der das Thema Nachhaltigkeit großgeschrieben wird.

Sie haben sich für ein Tesla Model S entschieden. Warum?
Baumgärtner: Wir sind ein Beratungsunternehmen, haben mehrere Standorte in Deutschland, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen die Fahrzeuge als Firmenwagen und fahren sie privat – deswegen gibt es einen Mobilitätsanspruch, der analog zu dem eines klassischen Verbrenner-Dienstagwagen ist. Der Tesla S ist der Einzige, der allen Vergleichen standgehal-ten hat.

Welche Distanz wird bei einer typischen Dienstfahrt zurückgelegt?

Baumgärtner: Die Reichweite einer normalen Dienstfahrt liegt bei uns zwischen 150 und 300 Kilometern am Tag. Diese Tagesdistanz schafft man, ohne den Wagen zwischendurch laden zu müssen. Bei längeren Distanzen von 400 bis 500 Kilometern gibt es, beispielsweise bei Fahrten über die Autobahn, die Möglichkeit, kostenlos das Schnellladenetz von Tesla zu nut-zen. Innerhalb von 20 bis 30 Minuten ist das Auto fast vollständig geladen.
Aber wir fahren mit den Stromern auch in die Schweiz, nach Südtirol, an die Côte d’Azur oder nach Amsterdam. Ich bin mit meinem Tesla in Italien gewesen. Auf dem Rückweg ging es in Richtung Rheinland-Pfalz. Für diese Fahrt hing der Wagen lediglich 30 Minuten am Netz.

Was mussten Sie bei der Anschaffung beachten?
Baumgärtner: Die eigentlichen Herausforderungen waren die Vorgaben, die wir an uns selbst gestellt hatten. Wir wollten kein Marketingprojekt, sondern ein finanziell sinnvolles Modell, dessen Fahrten die Firma nicht subventionieren muss. Denn langfristig bringen Subventions-projekte gar nichts. Intern hat uns eine Imagedebatte beschäftig. Wir wollten nicht, dass unse-re Kundinnen und Kunden die großen Fahrzeuge als Luxusprojekt missdeuten. Ebenso wenig sollte eine Neiddiskussion innerhalb des Unternehmens aufkommen.

Sie haben die Anschaffung also vorher genau kalkuliert?
Baumgärtner: Ja. Wir haben uns eingehend mit den Anschaffungskosten, den Kosten, aber auch den Möglichkeiten für die Ladeinfrastruktur – sowohl am Arbeitsplatz als auch bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu Hause – sowie mit der Fahrerauswahl und -aufklärung auseinandergesetzt. Bevor nicht alles durchdacht und vollständig abgeklärt war, ist kein Auto bestellt worden.

Wie wurde entschieden, welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Anspruch auf ein E-Fahrzeug hat?

Baumgärtner: Wir haben Alle angeschrieben, die einen Anspruch auf einen Firmenwagen haben und bei denen eine bestimmte Restlaufzeit für den Dienstwagen bestand. Insgesamt 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kamen infrage. Alle wurden gefragt, wie sie zu einem Elektroauto stehen, 18 davon haben Interesse bekundet. Zehn haben letztendlich einen Stromer erhalten. Bei den anderen acht hat es beim Nutzungsaspekt einfach nicht gepasst.

Gibt es Pläne, Ihre E-Flotte weiter auszubauen?
Baumgärtner: Der Einsatz von Elektroautos ist bei uns längst kein Projekt mehr, sondern ein Regelbetrieb. Im Dezember wird das 18. Fahrzeug geliefert. Mit unseren weiteren kurzstreckentauglichen Elektrofahrzeugen sind wir damit aktuell bei 15 Prozent Elektrifizierung und mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir eine gute Chance haben, die 20-Prozent-Marke zu erreichen.

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